Kiew: Escape Room, Tschernobyl, Schießen und Urbex Tour

[Werbung] Wie bereits in meiner Urlaubsplanung erwähnt sollte es für mich nach Kiew gehen. Wir haben einen Direktflug mit der Lufthansa gewählt. Die Reisezeit beträgt ca. zweieinhalb Stunden. Am Flughafen Kiew Boryspil kann man direkt eine Sim-Karte kaufen.

Vorab haben wir einen Transfer über GetyourGuide gebucht, wie alle unsere Ausflüge.

Als Hotel haben wir das Hotel Faraon gewählt. Ein kleines Hotel, welches im Ägyptischen Stil gehalten ist. Also genau mein Geschmack!

 

 

Als Fortbewegungsmittel eignet sich in Kiew Uber hervorragend. Leider war am ersten Tag kein Uber zu unserer Wunschzeit verfügbar, daher haben wir ein Taxi über die Rezeption bestellt. Es kam auch ein Auto, allerdings ohne „Taxi“ Schild oder Taxameter. Natürlich fragt man vor der Fahrt wie viel es kosten wird. Da stellte sich leider heraus, dass der Herr kein englisch spricht. Wir haben uns mit Händen und Füßen versucht zu verständigen. Das hat eher nicht so gut geklappt, da winkte er ab und fuhr los - mit uns auf der Rückbank und mit einer erhöhten Geschwindigkeit. Glücklicherweise hatte die Rezeptionistin ihm gesagt an welche Adresse wir wollen und dank Internet und Google Maps haben wir den Weg verfolgt. Tatsächlich hielt er dann an der richtigen Adresse. Die Fahrt kostete 100 Hrywnja (ca. 3,30€). Wir haben ihm also einen 500 Hrywnja-Schein gegeben, doch da gab es die nächste Überraschung: Er hat kein Wechselgeld. Zwischenzeitlich wollte er uns schon ohne Bezahlen aus dem Taxi schmeißen. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass er russisch spricht und so haben wir eine Freundin angerufen, die dolmetschen sollte. Sie ging auch glücklicherweise direkt ran und so konnten wir vereinbaren, dass wir Handynummern austauschen und er uns später am Abend zurück ins Hotel fährt und dann für beide Fahrten passend bezahlt wird.

Nach der ganzen Aufregung haben wir unser erstes Ziel erreicht: Kadroom Escape Room. Hier ist sehr viel Technik verbaut und die Räume sind anders gestaltet als die in unseren Erfahrungen. Wir haben uns daher etwas dämlich angestellt. Der Raum „Now you see me“ ist absolut toll eingerichtet, von der Schwierigkeit aber auch etwas höher. Tipps bekommt man über das Walkie-Talkie. Das machte die Kommunikation auf Englisch aber nicht besser. Nachdem die Zeit abgelaufen war durften wir aber noch zu Ende spielen. Wir waren so begeistert, dass wir gleich noch einen zweiten Raum gebucht haben: „Star Wars“. Auch hier ist wieder so viel Liebe zum Detail und Technik verarbeitet. Der kleine R2D2 hat es uns besonders angetan. Die Rätsel in diesem Raum waren einfacher und sind für Anfänger besser geeignet. Der Preis ist - im Gegensatz zu Deutschland- natürlich auch überzeigend. Der erste Raum kostete 42,69 € und für den zweiten Raum haben wir einen Rabatt bekommen und 36,12€ gezahlt. Wohl gemerkt nicht pro Person, sondern gemeinsam!

 

 

Nach ein bisschen in der Kälte stehen wurden wir dann auch von dem Taxifahrer abgeholt und so nahm die Geschichte doch noch ein Happy End für beide Seiten.

Am nächsten Tag wurden wir mit einem PKW von unserem Guide abgeholt. Für Tschernobyl haben wir nämlich eine Privat-Tour gebucht. Mit einem kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle ging es ohne Umwege zur Sperrzone. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn natürlich mussten noch Formulare ausgefüllt, Pässe gecheckt werden und die Regeln vor Ort erklärt werden. Das Ganze dauerte über eine Stunde, aber dann waren wir endlich dort. Durch die private Führung konnten wir unsere Tour etwas anpassen, da wir uns natürlich die Geocaches vor Ort nicht entgehen lassen wollten! Wir haben so viele unfassbare Informationen bekommen, uns wurden Vorher- Nachherbilder gezeigt und in einige Gebäude konnten wir durchs Fenster schauen. Als Vorzeigestadt war hier alles vorhanden. Stadium, Schwimmbad, Schule, Kindergarten, Kino,…

Bevor ich die Bilder sprechen lasse hier noch die Aussagen, die mir am Meisten im Gedächtnis geblieben sind:

  • Den Bewohnern war nicht klar, dass die sie Stadt für mehr als 3 Tage verlassen sollen. Viele ältere Menschen wurden von ihren Angehörigen Zuhause versteckt und eingeschlossen. Da die Stadt aber längere Zeit nicht betreten werden durfte und zwischenzeitlich Strom und Wasser abgestellt wurden sind die Menschen in ihren eigenen 4 Wänden gestorben.
  • Eine Frau wollte ihren ganzen Schmuck tragen als sie evakuiert wurde. Bevor sie in den Bus steigen konnte, wurde sie von Ihrem Mann abgefangen, der sagte „Wir gehen nur drei Tage weg. Die Wohnung ist verschlossen. Gib mir deinen Schmuck, ich tue ihn zurück ins Schmuckkästchen“. Die Frau händigte dem Mann ihren Schmuck aus und dieser verstaute ihn ins einer Jackentasche der Arbeitsuniform. Während der Evakuierung sind jedoch Plünderer über die Stadt hergezogen und haben die Wohnungen aufgebrauchen und ausgeräumt. Doch da der Mann den Schmuck in seiner Jackentasche vergessen hatte, war er auch nach der (kurzen) Rückkehr immer noch da, denn niemand sucht nach Wertgegenstände in einer Uniform.
  • Die Plünderer haben ihre gestohlene Ware auf dem Flohmarkt verkauft. Da die Gegenstände kontaminiert waren, hat sich das in Kiew munter verteilt.
  • Der Arbeitstag der Arbeiter, die für das Aufräumen auf den Dächern zuständig waren, war gerade einmal 45 Sekunden. Durch die Strahlung war ein längeres Arbeiten nicht möglich.
  • Man hat um den Reaktor 4 ein Metallgestell gebaut. Der Bau dauerte 19 Jahre, jedoch hält nur 100 Jahre.
  • Es wurden ca. 200 Städte evakuiert. Es gibt eine lange Reihe an ortschildern, die einem die Größe nochmal verdeutlichen.

 

 


 

Nachdem wir alles besichtigt haben war in unserem Paket noch ein Abendessen enthalten. Es gibt eine vegetarische Alternative. Wir haben Suppe, Reis mit Gemüse und einen Muffin erhalten. Danach haben wir uns auf den Rückweg ins Hotel gemacht. Der Ausflug dauerte ca. 11 Stunden und hat ca. 177,00€ pro Person gekostet. Es ist aber jeden Cent wert! Wir konnten alle unsere Fragen stellen und mussten uns nicht mit 40 anderen Gästen um den Guide drängen. Jederzeit würden wir uns wieder hierfür entscheiden.

Am nächsten Tag haben wir die Shooting Range gebucht. Nach dem Eintreffen wurden uns die Waffengezeigt und erklärt. Für jede Waffe hat man 10 Schuss und es wird der Reihe nach geschossen. Daher kommt es auch zu einer hohen Wartezeit. Der Guide bleibt die ganze Zeit neben einem Stehen, korrigiert die Körperhaltung oder nimmt die Waffe an sich, damit man seine Muskeln entspannen kann. Man darf nicht verkennen wie schwer so eine Waffe tatsächlich ist. Selbst mein Krafttraining hat mir hier nichtviel genützt. Am besten konnte ich mit der Glock 7 treffen und dies war daher auch mein Favorit. Vor Ort hat man die Möglichkeit mehr Munition zu kaufen oder eine weitere Waffe auszuprobieren, falls man vorab das falsche Paket gewählt hat. Man muss bei der Buchung nämlich direkt angeben welche Waffen man schießen möchte.

 


 


Wir wurden danach in der Stadt rausgelassen und sind in der Mall essen gegangen. Da noch ein Auslug anstand haben wir uns Gedanken über den Weg gemacht und sind auf die Idee gekommen die Metro zu nutzen, denn es waren nur zwei Stationen. Es war ein besonderes Erlebnis, weil wir weder die Sprache, noch die Schrift lesen können, aber wir haben es tatsächlich geschafft!

Die Urbex Underground-Tour war unsere letzte Aktivität in Kiew. Der Guide wartete schon auf uns und wir haben uns die Überzieh-Schuhe angezogen. Nach einer kurzen Einweisung wurde der Gulli-Deckel beiseitegeschoben und wir wurden hereingebeten. Unter „Gulli“ stellt man sich die Kanalisation vor, aber hier handelt es sich um ein Tunnelsystem. Dennoch war es für uns ein komisches Gefühl in einem engen Gang, mit gebückter Haltung vor einem fremden Mann zu laufen. Die Situation entspannte sich aber schnell und wir erkundete zusammen die vielen Gänge. Die Angst kam nur zurück, als uns vorgeschlagen wurde die Taschenlampen auszumachen und die Geräusche zu genießen. Durch den unterirdischen Wasserfall gibt es nämlich einiges an Geplätscher. Ich habe es tatsächlich nur ca. 30 Sekunden ausgehalten und danach mein Licht wieder eingeschaltet.  Wir machten uns auf den Rückweg, aber danach war die Tour noch nicht vorbei. Der Guide bestellte uns ein Uber und wir sind zusammen in die nächste dunkle Gasse gegangen. Hier gibt es nämlich einen Zugang zu einem noch besser ausgebauten Tunnelsystem als bei unserer ersten Location. Raum für Raum erkundeten wir die Überbleibsel aus vergangener Zeit: Neue Gasmasken, Nachbildungen von Körperteilen mit radioaktivem Brand, Nachbildungen von Giften, Medikamente,… Hier sollen sich die Bewohner in der Umgebung retten, wenn es zu einem Ernstfall kommen soll. Nur wissen die Menschen eben nicht, dass dieses Tunnelsystem existiert. Irgendwann wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten einen Knopf zu drücken. Ja natürlich. Und dann ging ein ohrenbetäubender Lärm los, denn die Lüftungsanlage ist noch in Betrieb und funktioniert einwandfrei.

Die Tour hat ca. 4 Stunden gedauert und 50,00 € pro Person gekostet. Dem Guide hat man aber angemerkt, dass er das nicht wegen des Geldes macht, sondern für das Hobby Urbex lebt und das Gefühl weitergeben will.

 

 
Eigentlich wollten wir mit Cacher-Reisen Kiew besuchen. Diese haben aber auch unsere E-Mails nicht geantwortet. Im Nachhinein sind wir froh alleine verreist zu sein, denn offenbar waren sie zu 50. unterwegs! 
 
 
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